Weimar

 

Kommunale Bürgerhaushalte. Erfahrungen und Perspektiven

Tagung und Gründungstreffen des Netzwerkes Bürgerhaushalte in Thüringen am 26.11.2011 in Weimar

Bürgerhaushalte sind ein Motor für die Veränderung der lokalen Demokratie und die Modernisierung der Verwaltung. Kaum ein anderes Beteiligungsinstrument hat in den letzten Jahren in einem ähnlichen Maß Veränderungsprozesse vor Ort angestoßen. Seit 2007 ist die Zahl der Kommunen mit einem Bürgerhaushalt in Thüringen kontinuierlich angestiegen. Dies geht unter anderem aus einer Studie der Heinrich-Böll-Stiftung über „Bürgerhaushalte in Ostdeutschland“ hervor. Im letzten Jahr führte auch die Stadt Weimar, Austragungsort der Tagung, einen Bürgerhaushalt ein. Gleichwohl wurden nicht alle Erwartungen, die mit den Bürgerhaushaltsprojekten verbunden waren, erfüllt. Eine kontinuierliche Evaluierung und Weiterentwicklung der Projekte ist notwendig.

Die Tagung soll zum einen Einblick in den aktuellen Entwicklungsstand ermöglichen und Anregungen für die Einführung und Weiterentwicklung von Bürgerhaushalten vor Ort geben. Zum anderen soll sie eine Diskussion zu den Perspektiven der Beteiligungssprojekte und der damit verbundenen Veränderungsprozesse anstoßen. Die Tagung richtet sich dabei sowohl an bereits Aktive in Bürgerschaft und Verwaltung als auch an Einsteiger/innen in das Thema. Um den kontinuierlichen Austausch sowie die Zusammenarbeit und Weiterentwicklung der Projekte zu befördern, soll im Rahmen der Tagung zudem ein regionales Netzwerk gegründet werden.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Weitere Informationen und Anmeldung unter
Tagung „Kommunale Bürgerhaushalte“ in Weimar

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Kommentar: Auftakt in Weimar – haben die Bürgerinnen und Bürger keine Lust?

Wie die TLZ.de berichtet, sind nur wenige Bürgerinnen und Bürger in Weimar dem Aufruf gefolgt und zu der „Auftaktveranstaltung“ des Bürgerhaushaltes gekommen – wenn man genauer liest, war es sogar nur ein einziger Bürger:

Großer Andrang zur Auftaktveranstaltung hätte selbst die Stadtverwaltung als Veranstalter überrascht. Dass aber von zwei Dutzend Stühlen im Rathaussaal nur sieben mit interessierten Weimarern besetzt waren, von denen sechs entweder einer Partei aus dem Stadtrat, einer Stadtverwaltung, einer Zeitung oder einem Radiosender angehörten, über die Interessenvertreter hinaus also nur ein einziger Bürger dem Aufruf des Rathauses gefolgt war, hätte eine Enttäuschung sein können wenn dieser eine Bürger, Michael Höber, nicht bereit gewesen wäre, sich auf einen Haushaltsentwurf in seiner ganzen Komplexität einzulassen. Dass die städtische Kämmerei dem Studenten der Wirtschaftsinformatik an diesem ersten Abend vorerst nur unpräzise Tortengrafiken vorsetzen konnte, war schade, hatte aber Gründe.

Haben die Bürgerinnen und Bürger Weimars etwa kein Interesse an ihrem städtischen Haushalt? Sind sie etwa weniger interessiert als in anderen Städten? Das sind sie sicherlich nicht. Viel wahrscheinlicher ist, dass die gewählte Veranstaltungsform (sprich: Beteiligungsmethode) nicht zeitgemäß ist. Es scheint – zumindest aus der Ferne betrachtet – eine typisch verwaltungsorientierte Veranstaltung gewesen zu sein, die wenige bis keine mobilisierende Wirkung hat: Tortendiagramme über Tortendiagramme. Sicherlich gehört zu einem Bürgerhaushalt dazu, dass man die Bürgerinnen und Bürger über die Haushaltssituation informiert. Aber erschlagen lassen möchte sich niemand mit Informationen. Wie soll man in solch einer Veranstaltung am „Bürgerhaushalt mitwirken“?

Auch der weitere geplante Verlauf lässt nur wenig auf eine engagierte Beteiligung hoffen: Es sollen Vorschläge eingesammelt werden, die dann von einer Arbeitsgruppe aufbereitet und dann über Stimmkarten zur Abstimmung gebracht werden. Das scheint wenig transparent und ebenfalls wenig mobilisierend zu sein. Wo bleibt die Diskussion der Bürgerinnen und Bürger über die eingehenden Bürgervorschläge? Nach welchen Kriterien wird ausgewählt? Warum wird die Bewertung auf eine direkt-demokratisch anmutendes Ankreuzen via Postkarte reduziert? Da hilft auch der Verweis auf Jena nicht, an die sich diese Beteiligungsmethode als „Vorbild“ anlehnt: der Bügerhaushalt ist kein direkt-demokratisches Verfahren. Die Anschlussfähigkeit der auf diesen Weg ermittelten Ergebnisse wird dadurch unnötig erschwert.

Oliver Märker

Zum Beitrag der TLZde >>>

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Weimar will Bürgerhaushalt einführen

Eine weitere Stadt in Thüringen möchte einen Bürgerhaushalt einführen: Weimar (65.000 EW). Laut eines Berichtes der TLZ.de will der Oberbürgermeister dem Willen des Rates folgen und einen Bürgerhaushalt bereits im September einführen:

Weimars Stadtspitze hat gestern überraschend angekündigt, einen Bürgerhaushalt einzuführen. OB Stefan Wolf reagiert damit auf den Stadtrat, der dies mehrfach gefordert habe. „Wir wollen die Bürger erstmals unmittelbar an einem Haushalt beteiligen“, sagte Wolf gestern.

Laut TLZ gliedert sich der geplante Bürgerhaushalt in zwei Phasen Information und Konsultation, was auch den Informationen entspricht, die auf den städtischen Seiten weimar.de zu finden Sind:

Das Bürgerbeteiligungsverfahren besteht aus zwei Stufen. Zunächst haben Sie die Möglichkeit, bis zum 8. Oktober Investitions‑ und Sparvorschläge einzureichen. Das Abstimmungsverfahren über die eingereichten Vorschläge findet vom 23.10.2010 bis zum 12.11.2010 statt. Nutzen Sie die Gelegenheit und stimmen Sie ab. Die Abstimmungskarte wird Ihnen mit dem Rathauskurier am 23.10.2010 zugestellt.

Bei der Sammlung der Vorschläge scheint die Stadt zunächst auf klassische Wege und Medien zu setzen, so schreibt TLZ:

Mit dem Versand des Rathauskuriers beginnt die Diskussionsphase: Welche Investitionen wollen Weimars Bürger tätigen? Wofür sollen die öffentlichen Mittel ausgegeben werden? Wie soll die Stadt auf drohende Steuerausfälle und die Reduzierung von Finanzzuweisungen vom Land reagieren?
Auf Bürgerversammlungen soll dann diskutiert werden, damit das Thema Bürgerhaushalt Stadtgespräch wird.
Aus allen Vorschlägen, die bis zum 18. Oktober bei der Stadtverwaltung eingehen, werden die 15 meist genannten und praktikabelsten Maßnahmen ausgewählt und in einer Abstimmungsbroschüre aufbereitet. Die Weimarer sollen dann selbst entscheiden können, welche Maßnahmen besonders wichtig sind und welche weniger notwendig sind.

Ob auf diesem Weg ein „Stadtgespräch“ erzeugt werden kann bleibt abzuwarten, da die Entwicklung von Vorschlägen – abgesehen von Bürgerversammlungen, die in der Regel schlecht besucht werden – wohl hauptsächlich auf einem „auf die Stadtverwaltung gerichteten Papierweg“ stattfinden soll, also weitgehend untransparent und ohne Austauschprozesse zwischen den Bürgerinnen und Bürger. Ebenfalls ist fraglich, ob eine abschließende, direktdemokratisch anmutende Abstimmung über die dann durch die Verwaltung aufbereiteten Vorschläge passend ist und nicht erfüllbare Erwartungen aufseiten der Bürgerinnen und Bürger erzeugen könnte, und aufseiten der Politik Probleme, diese Ergebnisse dann als Beratungsinput in die Entscheidungsfindung zu integrieren. Offen scheint auch zu sein, ob und in welcher Form Verwaltung und Politik die abschließnenden Ergebnisse und Entscheidungen der Beratungen an die Bevölkerung zurückmelden wollen. Neben der Phase Information und Konsultation fehlt also noch eine, wenn nicht die entscheidende:die Rechenschaftsphase.

Positiv ist aber, dieser Hinweis, der in der Pressemitteilung der Stadt Weimar zu finden ist:

Sollten genügend Bürger eine direkte Beteiligung an dem Verfahren und seiner verschiedenen Facetten wünschen, ist auch die Einrichtung einer öffentlichen Arbeitsgruppe zur Begleitung und Erarbeitung des nächsten Bürgerhaushaltes in 2011 denkbar.

Bleibt nur zu hoffen, dass aufgrund der gewählten Methodik die zu erwartende geringe Beteiligung nicht als Desinteresse aufseiten der Bevölkerung gewertet wird.

Bedenklich scheint in diesem Zusammenhang, dass man glaubt, das Verfahren mithilfe der zusätzlichen Unterstützung eines Praktikanten durchführen zu können:

Zur Unterstützung des Verfahrens ist bis Ende des Jahres im OB-Büro hierfür ein Student als Praktikant eingestellt.

Ein Anfang ist es aber – und das ist wichtig. Wir werden daher bweiter beobachten und berichten. Zunächst haben wir Weimar in unsere Karte aufgenommen und den Status „B“ für Beschluss (zur Einführung des Bürgerhaushaltes) vergeben.

Zum Artikel der TLZ >>>
Zur Pressemitteilung der Stadt Weimar >>>

Oliver Märker
Redaktion

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Weimar (PLZ 99401)

Standortdaten

Stadt/Kommune

Name: Weimar

Postleitzahl: 99401

Status: Beschluss


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